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Die American University of Afghanistan (AUAF) in Kabul steht kurz vor der Schließung. Grund ist ein akuter Mangel an finanziellen Mitteln, der den Betrieb der Hochschule seit Monaten unhaltbar macht. Die Universität, die nach dem Machtwechsel im August 2021 zunächst versuchte, ihren Lehrbetrieb unter extrem schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten, hat nun offenbar keine ausreichenden Reserven mehr, um Gehälter, Mieten und laufende Kosten zu decken. Studierende und Lehrkräfte wurden über die prekäre Lage informiert, eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Einrichtung könnte in den kommenden Wochen fallen.
**Contexto**
Die AUAF wurde 2006 mit Unterstützung der US-amerikanischen Regierung und internationaler Geber gegründet. Sie galt lange als Leuchtturm liberaler Bildung in Afghanistan: Der Campus in Kabul bot ein nach westlichem Vorbild gestaltetes Studium in englischer Sprache an, mit Fächern wie Betriebswirtschaft, Informatik, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft. Besonders hervorzuheben war der hohe Anteil weiblicher Studierender – zeitweise lag er bei über 40 Prozent. Die Universität war ein Symbol für die Hoffnung auf eine offene, demokratische Gesellschaft in Afghanistan.
Nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 änderte sich die Lage dramatisch. Viele internationale Dozenten und Mitarbeiter verließen das Land. Die neue Taliban-Regierung erkannte die AUAF nicht offiziell an, tolerierte jedoch zunächst einen eingeschränkten Betrieb. Die Universität stellte auf Fernunterricht um, um die Sicherheit von Studierenden und Personal zu gewährleisten. Doch die finanziellen Probleme verschärften sich rapide: Wichtige Geldgeber – darunter die USA, die Weltbank und private Stiftungen – froren ihre Zahlungen ein oder zogen sich ganz zurück. Sanktionen gegen die Taliban erschwerten zudem den Transfer von Geldern nach Afghanistan.
In den vergangenen zwei Jahren versuchte die Universitätsleitung, durch Spendenaktionen und reduzierte Betriebskosten zu überleben. Doch die Einnahmen aus Studiengebühren brachen ein, da viele Studierende das Land verlassen hatten oder nicht mehr zahlen konnten. Die Inflation in Afghanistan und die Abwertung der Landeswährung verschlimmerten die Lage. Im Jahr 2023 musste die AUAF bereits mehrere akademische Programme aussetzen und einen Teil des Verwaltungspersonals entlassen. Nun, im Herbst 2026, scheint das Ende endgültig gekommen zu sein.
**Analise**
Die drohende Schließung der AUAF wäre ein schwerer Schlag für die ohnehin zerrüttete Bildungslandschaft Afghanistans. Seit der Machtübernahme der Taliban haben Mädchen und Frauen faktisch keinen Zugang mehr zur Sekundar- und Hochschulbildung. Die AUAF war eine der wenigen verbliebenen Institutionen, die zumindest für eine kleine Zahl von Studierenden – darunter auch Frauen, die das Land verlassen konnten und im Ausland studieren – eine akademische Perspektive bot. Mit ihrem Ende würde ein letztes Relikt der internationalen Bildungszusammenarbeit verschwinden.
Die Entwicklung zeigt auch die Grenzen der humanitären und entwicklungspolitischen Strategien des Westens. Nach dem überstürzten Abzug der internationalen Truppen und der Einstellung der meisten zivilen Hilfsprogramme blieben Projekte wie die AUAF ohne verlässliche politische und finanzielle Rückendeckung. Die internationale Gemeinschaft, allen voran die USA und die Europäische Union, hat es versäumt, nachhaltige Mechanismen zu schaffen, um Bildungseinrichtungen in Afghanistan auch unter Taliban-Herrschaft zu unterstützen. Stattdessen dominieren Sicherheitsbedenken und Sanktionspolitik die Agenda.
Für Deutschland, das sich jahrelang am Wiederaufbau Afghanistans beteiligt hat, stellt die Situation eine besondere Herausforderung dar. Die Bundesregierung förderte in der Vergangenheit Bildungsprojekte in Afghanistan, darunter auch Stipendienprogramme an der AUAF. Nach dem Abzug wurden diese Programme weitgehend eingestellt. Nun wäre eine erneute Debatte über die Verantwortung Deutschlands gegenüber afghanischen Studierenden und Akademikern notwendig. Ohne ein funktionierendes Hochschulsystem droht eine ganze Generation von gebildeten Afghanen ins Ausland abzuwandern oder im Land ohne Perspektive zu bleiben.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf Berichten internationaler Nachrichtenagenturen wie Reuters, Associated Press und der Deutschen Welle, die in den letzten Wochen über die finanzielle Notlage der AUAF berichteten. Zudem wurden öffentliche Stellungnahmen der Universitätsleitung sowie Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern und Studierenden ausgewertet, die in verschiedenen Medien zitiert wurden. Die genauen finanziellen Kennzahlen der AUAF sind nicht öffentlich zugänglich, die beschriebene Entwicklung ergibt sich jedoch aus der konsistenten Berichterstattung mehrerer unabhängiger Quellen.
Por Renan Filho · 2026-10-02