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Nach Ausschreitungen: Der Adrenalinkick beim Plündern – eine wachsende Gefahr für Deutschland

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-22

Nach den jüngsten Krawallen in deutschen Innenstädten rückt ein Phänomen in den Fokus: das Plündern als Nervenkitzel. Psychologen und Sicherheitsexperten sehen darin eine neue Dimension der Gewalt.

**Lead**

Berlin, 22. Oktober 2026 – Nach den schweren Ausschreitungen, die in der Nacht zum vergangenen Samstag in mehreren deutschen Städten tobten, ermittelt die Polizei nicht nur wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung. Im Zentrum der Ermittlungen steht zunehmend ein Phänomen, das Sicherheitsbehörden bislang nur aus Einzelfällen kannten: das Plündern als Adrenalinkick. Augenzeugen und Einsatzkräfte berichten von Gruppen, die kaum Waren stahlen, sondern gezielt Geschäfte demolierten und einzelne Gegenstände als Trophäen mitnahmen. Die Täter beschreiben selbst in sozialen Medien den Moment des Einbruchs als „puren Nervenkitzel“, vergleichbar mit einer Extremsportart.

**Contexto**

Die Ausschreitungen begannen am späten Freitagabend im Berliner Stadtteil Neukölln, nachdem eine zunächst friedliche Demonstration gegen Wohnungsnot in eine gewaltsame Auseinandersetzung mit der Polizei umgeschlagen war. Innerhalb weniger Stunden weiteten sich die Krawalle auf Stadtteile in Hamburg, Köln und Leipzig aus. In Berlin registrierte die Polizei mehr als 40 beschädigte Geschäfte, darunter Elektronikmärkte, Modehäuser und Supermärkte. In Leipzig waren es nach ersten Erkenntnissen mindestens 15. Offizielle Zahlen zu Verhaftungen und zur Höhe des Sachschadens will der polizeiliche Lagebericht erst in den kommenden Tagen vorlegen. Bisher ist nur bekannt, dass Dutzende Verdächtige vorläufig festgenommen wurden. Die Ermittler verwahren sich jedoch dagegen, alle Beteiligten als gewöhnliche Diebe zu kategorisieren.

Kriminologen verweisen darauf, dass Plündern bei Ausschreitungen keine neue Erscheinung ist. Bereits bei den Krawallen in London 2011, in Frankreich 2005 oder in den USA nach Polizeieinsätzen in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Plünderungen. Neu sei jedoch die Qualität der Motivation, sagt der Berliner Kriminologieprofessor Oliver Hagemann, der nicht direkt an den Ermittlungen beteiligt ist, aber die Entwicklung seit Jahren erforscht. Während frühere Plünderungen oft wirtschaftlicher Not oder der Versorgung mit notwendigen Gütern gedient hätten, zeige sich bei einem Teil der Täter eine spielerische, risikoorientierte Komponente. Das Eindringen in einen geschützten Raum, die kurze Zeitfenster der Polizei, das gemeinsame Handeln in der Gruppe – das alles erzeuge eine intensive körperliche Erregung, die von vielen als belohnend empfunden werde.

**Analise**

Dieser Adrenalinkick ist für die Sicherheitsstrategie der Städte eine besondere Herausforderung. Herkömmliche Präventionsansätze setzen auf Abschreckung durch schnelle Strafen, verbesserte Videoüberwachung oder die Erhöhung der Polizeipräsenz. Beim Plündern aus Nervenkitzel greifen diese Mechanismen jedoch nur begrenzt. Psychologen vergleichen das Verhalten mit Bagatell-Diebstählen im Jugendalter, bei denen nicht der materielle Wert zählt, sondern der Status in der Peergroup. Wer so handelt, kalkuliert Risiken anders als ein notleidender Dieb; die Gefahr des Erwischtwerdens kann den Reiz sogar noch erhöhen. Diese Dynamik erklärt, warum in den sozialen Netzwerken nach den Krawallen Videos von Maskierten kursierten, die in zerstörten Läden posierten – offenbar ohne unmittelbare Notwendigkeit, die Waren zu verkaufen oder zu gebrauchen.

Die gesellschaftliche Bedeutung ist dennoch erheblich. Ladenbesitzer, die nach stundenlanger Aufräumarbeit feststellen, dass weniger Waren fehlen als vielmehr Mobiliar und Schaufensterpuppen mutwillig zerstört wurden, stehen vor einem Trümmerfeld, aber nicht nur im materiellen Sinn. Das Gefühl von Sicherheit in der eigenen Nachbarschaft werde nachhaltig beschädigt, so Lokalpolitiker in den betroffenen Stadtteilen. Zugleich fordern Gewerkschaften der Polizei eine Debatte über den wachsenden Personalmangel, weil solche Ereignisse nicht nur Bewältigungskräfte, sondern auch Ermittlungskapazitäten über Wochen binden. Die Ereignisse vom Wochenende haben gezeigt, dass die Städte auf eine neue Form der Eskalation vorbereitet sein müssen – eine, die weder in die Schublade des politischen Protests noch in die der einfachen Eigentumskriminalität passt.

**Fontes**

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf ersten Polizeiangaben aus Berlin, Hamburg, Köln und Leipzig, einer Einschätzung des Berliner Kriminologieprofessors Oliver Hagemann sowie Augenzeugenberichten und Aussagen von betroffenen Geschäftsleuten, die in sozialen Netzwerken dokumentiert wurden. Offizielle Schadens- und Tatverdächtigenzahlen stehen noch aus.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.